Eva Müller Kunstberatung

Newletter Dezember 2014


Stille Nacht

Stille kann heilsam und unerträglich sein, glücklich machen und verzweifeln lassen. Es kommt nur auf Ihre Erwartung und Definition an! Für Zen-Meister/innen ist sie das höchste Gut, weil es ihnen um ihre innere Stille geht. Ein anderes Anliegen verfolgt die vermeintlich kaufanregend plärrenden Stille-Nacht-Dauerberieselung.

Wenn es in uns still wird, verklingt der Gedankenschwall der Beurteilungen. Das Karussell der Überlegungen bleibt langsam stehen, woran noch zu erinnern oder was zu tun sei, wer etwas gesagt hatte, welche Ziele wir noch erreichen wollen, was wir falsch gemacht haben, wo uns jemand missverstand oder beleidigte. Ängste und Sorgen ziehen vorbei, wir halten sie nicht mehr fest.

Im 17. Jahrhundert entwickelten vor allem die Künstler/innen in Holland das beliebte Sujet des Stilllebens. Virtuos angeordnete, unbewegte Objekte stehen metaphorisch für ein stilles Leben. Wie immer, geht es über die gekonnte Darstellung hinaus, um einen inneren Wert, der mit den Bildern vermittelt werden soll. Gute Kunst erzählt uns etwas über einen wesentlichen Aspekt des Lebens, der unser bisheriges Denken und Fühlen bereichert, den wir über die Betrachtung mit allen Sinnen aufnehmen und mit uns tragen können.

Unter dem Titel „Stille Nacht” Die Weihnachtsgeschichte von 24 zeitgenössischen KünstlerInnen, zeigt die Künstlerin Maria Grazia Sacchitelli dieses »Krippenspiel« im Kunstverein im Schloss Schwetzingen noch bis diesen Sonntag.
Ihr „Stillleben” mit leeren Gläsern stösst uns an, über Leere und Fülle, schönen Schein und wirkliches Glück, die Bedeutung dessen, was beim Fest im Mittelpunkt steht, nachzuspüren. „Wie Schauspieler/innen auf einer Bühne führen sie ein Gespräch miteinander über Glanz, Freude, Traurigkeit, Werden und Vergehen der Weihnachtszeit”, sagt die Künstlerin selbst zu ihrer Installation. Das einst bedeutungsvolle Bild des heiligen Paares mit neugeborenem Kind, mit Hirten, Schafen und den drei Königen formieren nun unterschiedlichste Gefässe. Wenn wir uns selbst als solche sehen, kommt es darauf an, mit welcher Substanz wir uns füllen!