PROJEKTBERICHT

»WANDERING« 2014

Raumstipendium 6.6. - 12.6.2014

In einem leerstehenden Ladengeschäft der Calwer Passage in Stuttgart, entwickelte ich aus Zeltgerüsten, schwarzen Stretchfolien und Bilderrahmen eine sich täglich wandelnde Rauminstallation.
Die Spiel- und Kombinationsmöglichkeiten der Gerüste mehrerer Partyzelte mit der, von mir über Monate in Supermärkten gesammelten, gebrauchten, schwarzen Stretchfolie, ergaben immer neue, improvisierte Konstellationen von raumgreifenden Objekten und Bildern.

Jeden Tag wurden Kunstinteressierte in die künstlerische Handlung einbezogen und gestalteten nach gemeinsamer Absprache den Raum mit.
Die Zeltgerüste wurden immer wieder in neuen Variationen ineinander gesteckt und verwandelten sich so, sobald sie mit der Stretchfolie überzogen waren, in raumfüllende Objekte,.
Auch Bilder entstanden durch das Zusammenpressen der Folie unter der Glasscheibe des Bilderahmens oder wenn die Folie (ohne Glasscheibe) reliefartig über einen Bildträger gespannt wurde. Sie wanderten durch den Raum mit.

Als Gegensatz zur ehemals konventionellen Nutzung der elitären Geschäfte der Calwer Passage, hab ich meinen Schwerpunkt auf Improvisation, Spontaneität und die Verwendung von „armen“ Materialien gesetzt. Der spielerische Umgang mit den vorgegebenen Bedingungen erweckte in allen Beteiligten die Lust am Experimentieren. Gleichzeitig rückte die Veränderlichkeit des immer gleichen Ortes und die Flüchtigkeit des künstlerischer Geschehens in den Mittelpunkt. Denn täglich wurden die entstandenen Arbeiten wieder abmontiert und in ihren ursprünglichen „formlosen“ Zustand zurückgeführt, damit alles wieder von vorne beginnen konnte. Alles Geschehen wurde sorgfältig fotografisch dokumentiert und bei der Finissage fand eine abschließende Präsentation aller so entstandenen Fotos der Rauminstallationen statt.

CALWER PASSAGE

Die Calwer Passage (Paul-Bonatz-Preis 1978 - Architekten Belz, Lutz, Guggenberger), entstand
in den Jahren 1975 bis 1978 und besteht vorwiegend aus Glas und Marmor – als Vorbild diente
die Mailänder Passage Vittorio Emanuele – und war eine einst glamouröse Konsummeile in Stuttgart unterm gläsernen Bogengang.

JUST - Episoden in der Calwerpassage

Im Mai und Juni 2014 wurde die Calwer Passage in Stuttgart zum Spielort kontemporären Kunstgeschehens.
Die Kuratoren luden in die leerstehenden Boutiquen dieses postmodernen Kleinods, Künstler unterschiedlicher Disziplinen, Stuttgarter Kunstinstitutionen und weitere Kooperationspartner
zu sogenannten »Raumstipendien« ein.
Sechs Projektwochen lang griffen Ausstellungen, Workshops, Vorträge und hybride Formate ineinander.
JUST spannte den Bogen für prozessuale Arbeitsweisen, Installationen, Performances,
Interventionen und institutionelle Schnittstellen.
Die Episode als Handlungsformat öffnete Passanten, Besuchern und Kooperationspartnern
Zugänge zu künstlerischen Positionen und bot sowohl Plattformen als auch Reibungsflächen
zwischen den Akteuren. In den vom Eigentümer zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten
sollten nicht ausschließlich ästhetische Äußerungen erzeugt und diskutiert werden, sondern
nach einer aktiven Auseinandersetzung – für die Kunst und für die Stadt – gesucht werden.
Im wöchentlichen Wechsel verwandelten künstlerische Positionen die acht Ladenflächen in
Stätten der Produktion und des Austauschs.
Jede Projektwoche begannt freitags mit einer Vernissage und endet am darauffolgenden
Donnerstag mit einer Finissage.